Es geht auch anders

Es gibt auch andere Arten den AT zu laufen. Wie schon erwähnt gibt es eine ganze Reihe von Leuten, die zwar Vorhaben den ganzen Weg zu laufen, ihn aber in Abschnitte unterteilen und Tage oder auch Wochen am Stück laufen, im nächsten Jahr wieder kommen, um den nächsten Abschnitt in Angriff zu nehmen.

 

Diese Wanderer brauchen meines Erachtens fast mehr Liebe zum Weg, als wir Thruehiker, die halt einfach weiterlaufen. Manche der sogenannten Sectionhiker, nehmen jeweils lange Anreisen in Kauf um nach Jahren den AT ganz gelaufen zu sein. 

Es geht eben auch anders.

So wie ich, laufen die meisten den Weg von Süden nach Norden, andere – und sehr viel weniger laufen ihn von Norden nach Süden. Und dann gibt es noch die, die sich Unterstützung sichern. So habe ich Sherpa Mick getroffen, eigentlich Michael aus Frankfurt am Main, der einige Tage lang an jeder Straßenkreuzung anzutreffen war, die wir passiert haben, und man kommt natürlich ins Gespräch.

 

Sherpa Mick begleitet seinen Freund Tom, der den Weg läuft, aber eben nur mit Wasserflaschen und ohne Rucksack. Er „macht“ zwischen 27 und 35 Meilen am Tag, kann an jeder Straße was essen, muss sich nicht ums Nachtlager , die Wäsche oder den Nachschub an Essen kümmern. Tatsächlich habe ich im Lauf der Zeit einige Fahrzeuge gesehen, die über Tage immer wieder an den Straßen standen, Mick war aber der Erste, den ich tatsächlich getroffen habe. Und natürlich war Tom schneller als ich, so dass es dann auch schnell wieder vorbei war. Schade, es war nett mit Mick zu reden und das ein oder andere Stück Schokolade gab es als Dreingabe dazu.

Und dann war da Rainmaker. Als ihn das erste mal getroffen habe, lief er mit seinem Tagesrucksack von Norden nach Süden, man bleibt in der Regel kurz stehen und fragt wie es geht. So verlief auch unser Treffen. Ihr könnt euch mein Erstaunen vorstellen, als ich ihn am nächsten Tag, zur etwa gleichen Zeit wieder treffe. Das Beste was mir in dem Moment einfiel war: Lauf ich in die falsche Richtung? (was natürlich auch keinen Sinn gemacht hätte, aber ….) Endlich erklärt er es mir. Tatsächlich hat er sich mit einem anderen zusammengetan, Rainmaker läuft täglich nach Süden, der andere -Tin Man – nach Norden, am Ende einer der Tagesetappen steht ein Auto, mit dem einer den anderen abholt um dann in einer Stadt zu übernachten und um am nächsten Tag die nächste Tagesetappen in Angriff zu nehmen.

Auch Rainmaker (sein Name war übrigens kein schlechtes Omen) wird am Ende, vermutlich in zwei Jahren den ganzen Trail gelaufen sein. Nur eben mit sehr viel mehr Komfort und weniger Gewicht. Spass haben auch die Treffen mit den beiden gemacht und am Ende feiern wir zusammen, als Rainmaker von seiner Familie abgeholt wird.

 

Jeder läuft eben seinen eigenen Weg.

Und nun in Maine treffe ich auf Girl on Fire, die von ihrem Mann in einem Wohnmobil begleitet wird und tatsächlich von Straße zu Straße und nicht von Shelter zu Shelter läuft. Sie ist mit Rucksack und Zelt und allem anderen  Zeug, wie ich auch, in Georgien allein losgelaufen. Ihr Mann, der nicht ganz gesund ist konnte Sie nicht begleiten und fühlte sich einsam allein daheim. Um beiden gerecht zu werden haben Sie ein Wohnmobil gekauft und seither läuft Sie weiter, während er von Trailhead zu Trailhead kurvt ,zwischendurch  sehenswertes anschaut, einkauft und den Shuttleservice für andere Wanderer spielt. Girl on Firefox und ich sind einige Tage miteinander gelaufen, das Tempo stimmt und wir können gut miteinander reden aber auch schweigen.

Ich wurde sehr herzlich von beiden eingeladen auf einen Campingplatz mit ihnen zu fahren und mein Zelt neben ihrem Wohnmobil aufzubauen. Ein wunderbares Abendessen mit gegrilltem Steak und tollen Gesprächen inklusive. Die beiden kommen aus Kansas City, Overland Park (für alle, die mich nicht ganz so gut kennen, dort haben wir zwei Jahre meiner Kindheit verbracht). Es ist spannend Menschen so gut kennenzulernen, dass es über den Smalltalk hinausgeht und auch der Trail nicht das hauptsächliche Thema ist und bleibt. Die beiden sind neugierig mehr über Deutschland zu erfahren, ebenso geht es mir mit den USA. Auch die aktuelle politische Situation wird nicht ausgespart, ebensowenig die Geschichte beider Länder. Zugegeben, Janet und Hugh, wie sie eigentlich heißen, sind vielleicht nicht die ganz typischen Amerikanischer, Sie haben vor Jahren eine italienische Gastschüler ein Jahr in ihrem Zuhause beherbergt, zu der sie nach wie vor innigen Kontakt pflegen.

Für mich ist es nochmal eine andere Seite des Trails, die ich wiederum sehr genieße.

Immer schön neugierig bleiben, die Welt hat soviel zu bieten.

Eure Timeless

 

1 Kommentar

  1. Patricia Fuß-Beschta sagt: Antworten

    einen lieben Gruß auf Deinen Weg!
    Patricia

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