Hüttenleben

Morgens sieht es dann zuerst gar nicht mal so schlecht aus. Es ist zwar bewölkt, doch die Wolken ziehen, und ich hoffe auf den Wind, der sie vielleicht zur Seite schieben wird. Ich finde eine Fahrmöglichkeit zum Trail zurück und starte um sieben den Aufstieg. Er ist lang, dafür aber relativ einfach. Das mit dem Wolkenschieben klappt nicht so richtig, es ist grau in grau und ich wandere hoch in die Wolken. Es geht über die Baumgrenze und dann 2 Meilen den Kamm entlang, der Ausblick gilt als einer der schönsten auf dem gesamten Trail. Mehrfach wurde mir versichert, es sei wie in den Schweizer Alpen. Oben dann, am ersten Gipfel zu meiner Überraschung habe ich doch Sicht und sie ist tatsächlich grandios.

Der Wind allerdings ist es auch und eine Rast würde definitiv keinen Spass machen. Es stürmt hier oben und kaum drehe ich mich, um die andere Seite zu fotografieren ist es mit der Herrlichkeit auch schon vorbei.

Keine Sicht mehr, der ganze Kamm liegt in einem dichten Nebel, der Wind frischt weiter auf. Ich mache mich zügig wieder auf den Weg, der Trail ist schön und Gott sei Dank nicht besonders ausgesetzt. Man muss sich richtig ins Zeug legen um überhaupt voran zu kommen. Nach kurzer Zeit halte ich dann doch nochmal an, schön windgeschützt hinter einem Felsen und ziehe alles an was ich habe. Fleece Pulli, Puffy Jacke, Windjacke, selbst Mütze und Handschuhe. So eingepackt kämpfe ich mich die nächsten zwei Meilen über den Kamm.

Dankbar bin ich trotzdem, dass ich den Blick, die Blicke wenigstens einen kurzen Augenblick genießen durfte (und es ist nicht wie in den Alpen, sondern wie in den Whites). Wer hätte gedacht, dass ich es so schön finden würde endlich wieder im Wald zu sein. Meine Klamotten lasse ich an, es dauert lange, bis ich wieder warm werde. 

Dann Abstieg, noch ein Buckel und ein bisschen weiter und ich erreiche die Hütte, Galehead Hut.

Die Lager sind unglaublich teuer (100 bis 140 $ für ein Lager!), aber es gibt für Thruehiker häufig das Angebot für den Aufenthalt zu arbeiten, und tatsächlich klappt das heute, ich bin die Erste. Die Arbeit besteht meist aus Hilfe beim Abwasch, oder fegen der Lager oder des Aufenthaltsraumes.

Dafür bekommt man nach dem Abendessen der Gäste die Reste, darf im Äufenthaltsraum schlafen und es gilt dann der gleiche Deal wieder für das Frühstück. Kurz vor dem Abendessen kommt dann die Anfrage, ob wir,  wir sind inzwischen drei, nicht als „Arbeit“ den Gästen heute Abend von unserem Abenteuer erzählen und ihre Fragen beantworten. Gerne nehmen wir natürlich an. Interessierte Gäste stellen gute Fragen und wir antworten. Ein schöner Abend für alle Beteiligten.

Um Punkt 9.30h wird das Licht für alle gelöscht, im Schein unserer Stirnlampen schieben wir die Tische beiseite, machen unsere Lager und liegen Minuten später im Bett.

Gute Nacht wünscht

Eure Timeless

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