Ein freier Tag und ein verdrehte Kopf

Mich muss man einfach manchmal zu meinem Glück zwingen. Und das Schicksal meint es mal wieder gut mit mir und tut genau das. Mich erwartet ein Paket mit meinem warmen Schlafsack in einer kleinen Post in Glencliff, New Hampshire. Als ich das so ausgemacht habe, war mir wohl nur wichtig, dass ich den Schlafsack genau vor den White Mountains kriege, also keinen Moment zu früh, er ist schließlich sehr viel schwerer, als der leichte für den Sommer. Es stellt sich dann heraus, dass es in Glencliff eben diese Post gibt ausserdem 10 Häuser und ein Hostel. Immerhin.

Die Post-Öffnungszeiten sind von 12 bis 2 Uhr, also mitten am Tag und der nächste Abschnitt lang und nicht  von schlechten Eltern. Also bleibt mir nichts anderes übrig, als den Tag dort rumzuhängen, nichts zu tun, als zu schreiben und meinen Blog zu bearbeiten, was mir übrigens riesigen Spass macht. Das Wetter ist perfekt und ich genieße jede einzelne Minute.

Am Nachmittag und frühen Abend treffen Andere ein, alte Bekannte und neue Gesichter. 

Und Heute ist einer dabei, der sich als echter Klugsch….. erweist und es tatsächlich schafft meinen Kopf wirklich durcheinander zu bringen. Von dem morgen anstehenden Berg, Mount Moosilauke war schon lange die Rede, der Abstieg gilt als extrem schwierig. Es gibt hier das Angebot sich auf die andere Seite des Berges fahren zu lassen und den Berg quasi falsch herum anzugehen, was bedeutet, der Abstieg wird zu Anstieg und damit einfacher zu bewältigen. Viele nehmen dieses Angebot wahr schließlich läuft jeder seinen eigenen Weg und trifft seine eigenen Entscheidungen und das ist such gut so. Ich habe tief im Süden für mich beschlossen, dass ich nicht jede weiße Markierung auf dem Weg sehen muss, ich aber einen durchgehenden „Fußabdruck“ haben möchte und die alle nach Norden zeigen sollen. Ich also möchte den Berg richtig herum besteigen. Dieser Typ hört nicht auf zu erzählen, dass ich mich – und mit mir noch ein paar andere- uns übernehmen, wir das nie schaffen können. Abends denke ich mir noch nicht viel dabei, da quatscht halt einer schlau daher. Aber Nachts kommen dann die seltsamen Gedanken, die einem nicht mehr aus dem Hirn gehen. Es wird eine unruhige Nacht. Morgens beim Kaffee, bekomme ich mit, dass rs anderen nicht besser ergangen ist. Es macht mich wirklich wütend und mit der nötigen Aggressivität mache ich mich an den wunderschönen Aufstieg.

Oben dann komme ich das erste mal über die Baumgrenze, der Blick, eigentlich sollte ich sagen, die Blicke sind herrlich.

Ich bleibe eine Weile, treffe Bekannte und mache mich dann an den Abstieg. Ein bisschen unruhig zunächst, aber es sind ja „nur“ die letzten anderthalb Meilen die als schwierig gelten. Und dann komme ich dorthin und es ist tatsächlich steil und auch schwierig, aber durchaus machbar.

Ich lasse mir viel Zeit und komme heil, sicher und auch stolz unten an. Die nächsten acht Meilen ziehen sich ein bisschen, die Beine sind doch müde, aber auch das ist letztlich geschafft und es wird ein richtig lustiger Abend.

Ich bin glücklich es auf meine Art gemacht und auch geschafft zu haben. 

Hike your own hike

Eure Timeless

1 Kommentar

  1. Klasse Angela, dass du weiter deinen Weg gehst und dich nicht abbringen lässt 🙂
    Ich glaube du hast schon soviel erlebt, dass du dich und deine Möglichkeiten richtig einschätzen kannst.
    Ganz liebe Grüße aus Nonnenhorn
    Martina

Schreibe einen Kommentar